Vom Potenzial, neue Wege zu finden
Vom Potenzial, neue Wege zu finden
Vom Potenzial, neue Wege zu finden

Vom Potenzial, neue Wege zu finden

In Zeiten von Covid-19 konzentriert sich die mediale wie öffentliche Aufmerksamkeit aus gutem Grund auf diejenigen, die das Virus erforschen, eindämmen, Impfstoffe entwickeln und um das Leben der Erkrankten kämpfen. Die Bekanntgabe der diesjährigen Titelträger*innen der Kultur- und Kreativpiloten 2020, wirft auch ein Schlaglicht auf diejenigen, die mit neuen Ideen den Auswirkungen der Pandemie begegnen, die darüber hinaus aber auch generell Innovationen prägen, kreative Lösungen finden und einen erheblichen konstruktiven Beitrag für unsere Gesellschaft leisten. Ein Blick auf die Titelträger*innen, ihre intrinsische Motivation, Kreativität und Innovationskraft, angesichts neuer Erfordernisse auch neue, ebenso raffinierte wie erfolgreiche Lösungen zu finden.

Grund zur Hoffnung: Es gibt eine ganze Branche, die wie dafür gemacht ist, den gesellschaftlichen sowie wirtschaftlichen Folgen und Herausforderungen der Pandemie mit Einfallsreichtum, Cleverness und Unternehmer*innengeist zu begegnen. Solche Problemlöser*innen brauchen neben einer realistischen Vorstellung der Aufgaben, die sich unserer Gesellschaft stellen, und dem festen unternehmerischen Willen, dafür neue Lösungen zu finden, noch weitere Fähigkeiten: Innovatives, effektives Out-of-the-box-Denken, die schnelle und flexible Reaktion auf neue Gegebenheiten gehören zur DNA der Kultur- und Kreativwirtschaft.

Besonders in herausfordernden Zeiten wie diesen brauchen wir die innovativen Leistungen kreativen Unternehmertums“, sagt Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie. „Die 32 Unternehmerinnen und Unternehmer, die wir 2020 als Kultur- und Kreativpiloten Deutschland auszeichnen, beeindrucken mit wirkungsreichen Kernkompetenzen. Sie entwickeln, ob als Soloselbständige oder im interdisziplinären Team, Produkte und realisieren Projekte, deren Schnittstellenfunktion zwischen Kultur- und Kreativwirtschaft, Technologie und vielen anderen Branchen zukunftsweisend ist.

Die Pandemie als Herausforderung

Die diesjährigen Titelträger*innen haben sich gegen mehr als 1.100 Mitbewerber*innen durchgesetzt und profitieren neben der bundesweiten Aufmerksamkeit nun vor allem von einem exklusiven Zugang zu einem weitreichenden Expert*innen-Netzwerk und einem individuell zugeschnittenen Mentoring-Programm, das sie in ihrer unternehmerischen Entwicklung unterstützt. Dass die Jurys auch in den Jahren zuvor eine kluge Auswahl von Preisträger*innen unter der Vielzahl von Bewerbungen getroffen haben, beweisen bereits die neuen Initiativen, Produkte und Ideen von Titelträger*innen der Vorjahre.

Dem umwälzend raschen Digitalisierungsschub durch das gebotene Social Distancing begegnen die Kultur- und Kreativpiloten mit neuen Lösungen und preisgekrönten Konzepten.

Kontextlab aus München; Titelträger*innen-Jahrgang 2019, will gerade in Zeiten zunehmender Verunsicherung durch Fake News und Desinformation einen neuen Standard in der Wissensvermittlung etablieren. Über das Onlineformat „Der Kontext“ publizieren die Kultur- und Kreativpiloten umfassende Hintergrundinformationen und beleuchten diese aus unterschiedlichen Perspektiven bis in die Tiefe – mit Expert*innen-Interviews, Artikeln und Multimedia-Content. Das Team hat eine Wissenslandkarte zur Pandemie erstellt, die dabei hilft, in der medialen Informationsflut den Überblick zu behalten.

Musikalische Grüße trotz Social Distancing: Normalerweise bieten die erfolgreichen Sofaconcerts von Marie-Lene Armingeon und Miriam Schütt, Kultur- und Kreativpiloten 2015, eine Plattform, Musiker*innen und Musikfans direkt miteinander zu vernetzen, und geben ihnen die Möglichkeit, selbst private Konzerte zu organisieren. Stattdessen vermittelt Sofaconcerts jetzt musikalische Grußbotschaften per Video. Diese ermöglichen, Freund*innen oder der Familie einen persönlichen Musikgruß in Form eines Mini-Konzertes zu senden und gleichzeitig selbständige Musiker*innen, die es gerade besonders schwer haben, zu unterstützen.

Schon vor Corona erkannte das Team von Heyfair die Bedeutung gründlicher Hände-Desinfektion. So entwickelten die Kultur- und Kreativpiloten 2017 ein färbendes Gel, das sichtbar macht, wo nicht ausreichend desinfiziert wurde. Ein Meilenstein effektiver Schulungen von Fachkräften und eine wirksame Hilfe im Kampf gegen das Virus.

Viele große Mode-Unternehmen stornieren derzeit ihre Aufträge. Darunter leiden vor allem auch die Näher*innen im globalen Süden. Die Kultur- und Kreativpiloten 2019 tip me machen auch in diesen Zeiten das globale Trinkgeld in Online-Shops möglich. Seit April können Kund*innen, die etwa bei DAWN denim online shoppen, Trinkgeld an Näher*innen in Vietnam geben. Es wird direkt auf die individuellen Konten der Arbeiter*innen gesendet.

Besondere Lösungen für ein besonderes Jahr

Zwei Gründerinnen und Titelträger*innen 2019 wollen mit ihrem Businessfrauen-Label SI BEAU einen Stil etablieren, „der den Business- und Freizeitlook vereint: Komfortable Outfits, in denen Frauen sich jeden Tag mühelos elegant im (Arbeits-)Alltag fühlen können“, sagt Amber Duettman. Nachdem sie bereits im April stylish abgestimmte Masken und Schals im Business-Look entwickelten, legten die Macherinnen kürzlich eine spezielle Home-Office-Kollektion auf. „Auf diese neue Arbeitssituation und die daraus veränderten Bedürfnisse müssen wir jetzt kreativ und flexibel eingehen.“ Und dazu holen sie ihre Zielgruppe gleich mit ins Boot, so Valentina Harrendorf: „Wir nennen das ‚Ko-Kreation‘ und wollen somit Produkte entwickeln, die jetzt wirklich gebraucht werden. Jeder, der Lust hat, kann sich einfach über unsere Website dazu anmelden.“

Die Kultur- und Kreativpiloten 2020 United We Stream bezeichnen sich als „solidarische Antwort auf Covid-19 und den weltweiten Shutdown der Clubkultur“. Aus einer Spendenkampagne für bedrohte Berliner Clubs entstand im März dieses Jahres eine globale Kulturplattform und Streaming-Initiative in Zusammenarbeit mit ARTE Concert. Sie verbindet lokale kulturelle Räume, Künstler*innen, Kulturschaffende, Unternehmen und Institutionen mit einem globalen Publikum. Das Projekt wurde und ist eine einzigartige internationale Erfolgsgeschichte: Immer mehr Locations und Städte, Hamburg, München, Leipzig, Amsterdam, Wien, Madrid, Paris und Stockholm, Manchester, Bangkok oder Ho-Chi-Minh-Stadt schlossen sich an, bislang traten über 2.000 Künstler*innen auf. Zudem bietet die Plattform das Debattenformat „United We Talk“, in dem sich Gäste über Möglichkeiten und Folgen einer gesellschaftlichen Transformation durch die COVID-19-Pandemie austauschen können.

Die Web-App der Hamburger Initiative Facts for Friends bietet mit ihren „FactSnacks“ ein unschätzbar wichtiges Tool in Zeiten informationeller Verunsicherung. Ein neunköpfiges, interdisziplinäres Team aus den Bereichen Medienwissenschaften, Journalismus, Forschung, Unternehmer*innentum, Projektmanagement, IT und Grafikdesign entwickelte einen Weg, im Gegenzug Richtigstellungen, Fakten oder Gegenargumente ebenso schnell und weitreichend zu verbreiten. Dabei werden in einer Web-App die FactSnacks als kurze und prägnante Klar- und Richtigstellungen zur Verfügung gestellt, die schnell und einfach als Text oder Bild geteilt werden können.

Die Krise als Chance: die Innovationsschmiede Kultur- und Kreativpiloten 2020

Wie unverzichtbar und bedeutend sie bereits vor Corona für unsere Gesellschaft und Gesamtwirtschaft war und auch zukünftig sein wird, belegen schon die Zahlen der Kultur- und Kreativwirtschaft aus dem Jahr vor der Pandemie: Knapp 260.000 Unternehmen und 1,7 Millionen Erwerbstätige erwirtschafteten 2018 einen Umsatz von 168 Mrd. €. Ihre Bruttowertschöpfung lag damit laut Bundeswirtschaftsministerium mit 100,5 Mrd. € etwa gleichauf mit Maschinenbau und Chemischer Industrie. Nun, in der Krise und am Beispiel der Kultur- und Kreativpiloten zeigt sich verstärkt, dass die Branche mit kreativen Methoden zu Lösungen zentraler Zukunftsfragen beiträgt, darunter etwa Bildung, Digitalisierung und nachhaltige Entwicklung. Kreativschaffende experimentieren mit neuen, oft digitalen Formaten für ihre Zielgruppen und schaffen mit Unternehmer*innengeist, Innovationskraft und Flexibilität neue Ideen, um mutig und einfallsreich den veränderten Anforderungen unserer Zeit zu begegnen.

Lösungsorientiertes Neu- und Umdenken setzt voraus, das Gegebene zu verstehen, für ein Out-of-the-box-Denken ist es unabdingbar, eine Vorstellung zu haben, was eigentlich die Box ist – und von da aus konstruktiv neu und anders zu denken. Dafür sind die von der Bundesregierung ausgezeichneten Kultur- und Kreativpiloten wie geschaffen. Sie sind der Creative Impact in Zeiten von Corona, der zuversichtlich macht, dass es für diese und kommende Herausforderungen stets innovative Lösungen und Ideen geben wird, solange die Kultur- und Kreativwirtschaft weiterhin tut, was sie am besten kann und ihre ureigene Domäne ist. Kompetent sein, konstruktiv sein, kämpferisch sein und vor allem: kreativ sein.

Fotocredit: Bewerbungstrailer monströös, Bundesregierung, Johann Bentele, Sofaconcerts, Heyfair, Helen Deacon, Uwe Duettmann, United we stream, Jerome Gerull, William Veder.